Mi. Okt 28th, 2020

In der Philosophiezeitschrift „Aufklärung und Kritik“ 1-2016 (S. 180-194) erschienener Artikel über die Evolutionstheorie

 

Der fatale Irrtum von Darwin bis zur heutigen Soziobiologie

zur Rolle von Geist und Kultur des Menschen in der Evolution

 Bernd Ehlert

 

Der amerikanische Biologe Edward O. Wilson galt seit seinem 1975 erschienenen Buch „Sociobiology – The New Synthesis“ als „Vater“ der Soziobiologie, die auch das geistig-kulturelle Sein des Menschen direkt von den Genen und ihren Gesetzmäßigkeiten her zu erklären sucht. Doch seitdem Wilson 2010 aufgrund neuer empirischer Erkenntnisse eine Kehrtwende vollzogen hat und nun die Soziobiologie als eine falsche, gescheiterte Lehre kritisiert, tobt die Auseinandersetzung um diese naturalistische Erklärung des Menschen nicht nur zwischen der naturwissenschaftlichen Biologie und den geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, sondern nun auch innerhalb der Biologie.

Der Heilige Gral des Bewusstseins

Wir leben heute in einem Zeitalter des Materialismus und absoluten Realismus mit einem materiellen (statt geistig-kulturellen) Wachstumsideal und exponentiellen Zuwächsen (in einer begrenzten Biosphäre) nicht nur hinsichtlich der Weltbevölkerung, sondern auch in Bereichen wie Informationstechnologien, Mobilität, Waffentechnologien, Ressourcenverbrauch, Umweltzerstörung usw. Alles scheint möglich, der Mensch ist schon auf dem Mond spazierengegangen, er hat seinen eigenen genetischen Bauplan entschlüsselt und Waffen entwickelt, mit denen er sich mehrfach selbst vernichten kann. Und nun kündigt der als berühmtester Biologe unserer Zeit bezeichnete Amerikaner Edward O. Wilson einen neuen, vielleicht sogar den größten Meilenstein im technisch-materiellen Siegeszug der modernen Naturwissenschaften an: Die Entschlüsselung und Erklärung des Denkens von der materiellen Grundlage her.