Do. Okt 22nd, 2020

Monat: Oktober 2015

Der nur noch hypothetische Realismus der modernen Naturwissenschaft als dogmatischer, quasireligiöser Realismus-Glaube

 

Menschliches Wissen

Weil du liesest in ihr, was du selber in sie geschrieben,

Weil du in Gruppen fürs Aug ihre Erscheinungen reihst,

Deine Schnüre gezogen auf ihrem unendlichen Felde,

Wähnst du, es fasse dein Geist ahnend die große Natur.

So beschreibt mit Figuren der Astronome den Himmel,

Dass in dem ewigen Raum leichter sich finde der Blick,

Knüpft entlegene Sonnen, durch Siriusfernen geschieden,

Aneinander im Schwan und in den Hörnern des Stiers.

Aber versteht er darum der Sphären mystische Tänze,

Weil ihm das Sternengewölb sein Planiglobium zeigt?

(Friedrich Schiller)

Kann die moderne Naturwissenschaft in Form der Biologie das Rätsel des Bewusstseins lösen, in ihrem Weltbild des Realismus das menschliche Wissen so umfassend erweitern, in sich als Realität erklären und bestätigen und damit die bisherigen Geisteswissenschaften überflüssig machen, die mit ihrer zweitausendjährigen Tradition an diesem Rätsel angeblich gescheitert sind? Diese Ansicht und dieser Anspruch wird zumindest von dem Biologen Edward O. Wilson in seinem neuen Buch „Der Sinn des menschlichen Lebens“1 vertreten. Doch bei näherer und kritischer Betrachtung dieser Ansicht zeigt sich, dass genau umgekehrt die Naturwissenschaften bei ihren Problemen die Hilfe der alten Geisteswissenschaften benötigen, um ihren nur noch »hypothetischen Realismus« zu überwinden, der sich darin als ein dogmatischer und quasireligiöser Realismus-Glaube entpuppt.

Der „kleine Käfig [oder die platonische Höhle] des Bewusstseins“

Kann die moderne Naturwissenschaft in Form der Biologie das Rätsel des Bewusstseins lösen, und damit die bisherigen Geisteswissenschaften überflüssig machen, die mit ihrer zweitausendjährigen Tradition an diesem Rätsel gescheitert sind? Diese Ansicht und dieser Anspruch wird zumindest von dem Biologen Edward O. Wilson in seinem neuen Buch „Der Sinn des menschlichen Lebens“1 vertreten. Aber bei näherer und kritischer Betrachtung zeigt sich, dass genau umgekehrt die Naturwissenschaften bei ihren Problemen die Hilfe der alten Geisteswissenschaften benötigen.