Do. Okt 22nd, 2020

Monat: Februar 2015

Der menschliche Geist in der Evolution: „Affengeist“ oder mehr? Eine kritische Hinterfragung von Michael Blumes „Evolution und Gottesfrage“

 

Michael Blume, „Evolution und Gottesfrage“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2013

Der Religionswissenschaftler Michael Blume verfolgt in diesem Buch mutig den Weg, die Gottesfrage interdisziplinär von der Evolution her anzugehen. Dabei bringt er allerdings ausführlich den evolutionären Theismus mit einer göttlich begründeten Emergenz von Darwins Zeitgenossen William Graham ins Spiel, von dessen Buch der studierte Theologe Darwin am Ende seines Lebens sehr angetan war. Doch der zwischenzeitlich bekennende Agnostiker Darwin lehnte diesen Theismus als Erklärung dafür, dass das Universum kein Resultat des Zufalls sei, sondern einer Zielgerichtetheit und einem göttlichen Willen unterliegt, die und der insbesondere das Sein des Menschen betrifft, schließlich mit den Worten ab: „Würde jemand den Überzeugungen eines Affengeistes trauen, wenn in einem solchen Geist Überzeugungen wären?“ In der ansonsten sehr guten Argumentation und Darstellung zum Thema Evolution und Religion von Blume zeigen sich auch darüber hinaus an manchen Stellen Widersprüche, die auf Widersprüche und Unvollkommenheiten in Darwins Evolutionstheorie selbst hinweisen. Ist der menschliche Geist nur ein etwas komplexerer Affengeist im Sinne Darwins, oder besitzt er eine Würde, die als neues emergentes geistiges Sein grundsätzlich und weit darüber hinausgeht, wie es schon der Mitbegründer der Evolutionstheorie, Alfred Russel Wallace, mit seinem leider spirtistisch begründeten Emergenzmodell behauptete? Erst mit dem in diesem Buch von Blume leider nicht erwähnten rein natürlich begründeten Schichtenmodell von Nicolai Hartmann lassen sich diese Auseinandersetzungen um die Rolle des menschlichen Geistes in der Evolution und damit auch um die Religion auflösen. Der menschliche Geist ist demnach kein Affengeist mehr, was die Evolutionstheorie von Darwin ohne jeglichen übernatürlichen Bezug auf natürliche, philosophische und naturwissenschaftliche Weise erweitert und fortführt.